Melissa

8.05.2012 - Überlegungen zum ersten Date

Nach langer Diskussion mit Sonja habe ich entschieden, Sandro zu fragen, ob wir nachmittags durch den Ort bummeln und ein Eis essen gehen wollen. Da ist ja langsam mal wieder die Zeit für! Im Moment ist es auch richtig schön warm, und spazieren gehen ist sowieso immer eine gute Sache. Ihr wisst ja, dass ich so ein Naturkind bin! Wir haben uns gegen das Kino entschieden, weil Sonja eingewendet hat, dass man sich dort ziemlich schlecht unterhalten könnte. Auch wollten wir es erst einmal bei nachmittags belassen, weil abends direkt dieser Druck dahinter steckt, etwas besonders romantisches zu machen. Also fangen wir das mit dem Eis eine gute Idee. Und anscheinend nicht nur wir, denn Sandro hat mir sofort geantwortet, dass  er Spaghettieis über alles liebt und nicht gerne nächsten Mittwoch darauf einladen würde. Jetzt bleibt nur die Frage, was sich anziehe...
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2.05.2012 - Eine unverhoffte SMS

Es ist etwas total Aufregendes passiert! Ich habe euch davon Sandro erzählt, und dass ich nicht wusste, ob ich mich bei ihm melden sollte, oder nicht. Tja, das Problem hat sich damit erledigt, dass sich vor ein paar Tagen eine SMS bekommen habe, habe ich mich noch an ihn erinnern könnte, und vieles mehr eingehen. Ich habe mich total gefreut, aber natürlich nicht sofort geantwortet. Das klingt ja sonst so, als ob ich verzweifelt auf eine SMS gewartet hätte. Auf jeden Fall habe ich ihn dann vorgestern geschrieben, dass ich mich sehr wohl an ihn erinnern könnte, es mir gut gehen, und was seine Abschlussarbeit so macht. Er ist nämlich gerade im letzten Semester seines Studiums! Habe nur leider vergessen, was er nochmal studiert… peinlich! Er hat mir geschrieben, dass er zwar sehr im Stress wäre, mich aber trotzdem gerne einmal wieder sehen würde. Und jetzt überlege ich gerade, wie und wo ich mich mit ihm verabreden könnte.
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27.04.2012 - Etwas von dem Abend habe ich mitgenommen…

Habe ich übrigens schon erzählt, dass ich ja damals Sandros Handynummer bekommen habe? Irgendwie wusste ich das nach dem Abend gar nicht mehr, aber ich habe sie dann Tage später in meinem Handy wieder gefunden. Das blöde ist nur, dass ich nicht weiß, ob er auch meine Nummer hat, oder nur ich seine. Weil es ja ziemlich peinlich wäre, wenn ich mich jetzt bei ihm melde, und er meine Nummer auch hat, mich aber nicht interessant genug findet. Andererseits denke ich mir aber, dass der totale Verschwendung wäre, ist nicht wenigstens einmal miteinander zu probieren. Spätestens beim zweiten oder dritten Date merkt man ja, ob man zusammenpasst oder nicht. Aber ich hatte meinen letzten Freund mit 16, und so langsam will ich mich mal wirklich wieder heiß begehrt führen!
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4.04.2012 - Ein guter Abend

Mein Geburtstag war total klasse. Ich hätte natürlich auch ein paar Jungs einladen können, weil ich mit einigen aus meiner Stufe doch ziemlich gut befreundet bin. Aber irgendwie fand ich es lustig, mal wieder so einen richtigen Mädelsabend zu machen, und ich glaube, dass meine Freundinnen das auch gar nicht so schlecht fanden. Wir hatten so viel Spaß, was natürlich auch daran lag, dass sie relativ viel getrunken haben... Aber da gehe ich jetzt mal besser nicht mehr ins Detail! Sonja und ich haben zwei richtig nette Typen kennen gelernt, die beiden sind schon 22 und 23 und irgendwie hat es mir der 23 jährige, Sandro, direkt an getan. Ich habe ihn dort stehen sie an der Bar, und fand ihn toll. Natürlich bin ich immer ein bisschen skeptisch, weil meine Mutter meinen Vater ja zu anfangs auch hinreißend fand. Aber davon kann ich mich ja nicht lebenslänglich beeinflussen lassen!
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29.03.2012 - Der Plan funktioniert

Mein Plan geht tatsächlich auf, denn Martin und meine Mutter haben sich bereit erklärt, uns allesamt abzuholen, und die zwei Freundinnen, die etwas weiter weg von mir wohnen, bei mir übernachten zu lassen. Unser ja schlecht natürlich sowieso bei mir. Ich habe sogar heraus schlagen können, dass sie uns erst um 3:00 Uhr nachts abholen! Das hätte ich nie gedacht, dass meine Mutter das machen würde. Ich glaube aber, dass sie ein bisschen Angst hat, was Papa dazu sagen wird. Aber von ihm lasse ich mir mein Vorhaben nicht verbieten. Und wenn er dann rummeckert, dann ist immer noch Martin dabei, der sie auch vor Papa verteidigen kann. Das passt dieses Jahr sowieso alles ziemlich gut, weil ich am Samstag Geburtstag habe, und wir dann am Freitag rein feiern können. Mathe habe ich übrigens hinter mich gebracht, natürlich mal wieder eher schlecht als recht. Aber es gibt glaube ich Dinge im Leben, mit denen man sich einfach abfinden muss...
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25.03.2012 - Die Gedanken hören nicht auf

Gott sei Dank habe ich wieder ein bisschen Ablenkung durch mein Studium. Da habe ich gar nicht mehr so viel Zeit, um über irgendetwas allzu viel nachzudenken. Trotzdem bin ich immer noch schwer genervt, weil ich Patrick Moment so selten sehr. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass ich mir das Ganze nur einrede, dass es mit ihm nicht besonders gut läuft, aber in Wirklichkeit sehen wir uns einfach nur zu selten. Obwohl, läuft das nicht aufs Gleiche hinaus? Ach, das ist einfach ein riesengroßer Mist alles! Man müsste einfach mal richtig viel Zeit haben, um ein paar Sachen gerade zu biegen, aber die gibt es nicht. Und so wird die ganze Spirale immer enger und eins führt zum nächsten. Das ist so dumm, man sieht es alles auf sich zukommen, und trotzdem kann man es nicht abwenden. Ich glaube, es ist an der Zeit, mit Patrick mal ein ernstes Wort zu reden. So kann es nicht weitergehen.
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8.03.2012 - Betrunken in der Scheune

Aus unserem Superplan, am Abend meines bestandenen Führerscheins in eine Bar zu gehen, ist leider nichts geworden. Wir haben nämlich mal wieder keinen gefunden, der uns abholt. Martin war leider beschäftigt, und besonders großer Bruder Lars ist schon vor anderthalb Jahren nach Hamburg gezogen. Früher hat er uns auch ganz oft abgeholt. Naja, da wir ja schlecht selber fahren konnten, weil sie etwas trinken wollten, haben wir dann beschlossen, uns heimlich in die Scheune unseres Nachbarn zu schleichen und dort eine Flasche Berentzen zu lehren! Es war zwar etwas kalt, aber mit dem Stroh ging es. Und dann kam auf einmal der Bauer Eichendorff, und wir mussten uns in der hintersten Ecke verstecken. Es war wie ein richtiges kleines Abenteuer, und wir haben uns danach ungefähr 20 min lang schlapp gelacht.
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1.03.2012 - Schweißbäder

Das mit dem Gedankenstopp hat natürlich nichts gebracht. In der Nacht vor meiner Prüfung habe ich ungefähr anderthalb Stunden geschlafen, weil man Hertz so gerast hat, dass ich nicht einschlafen konnte. Irgendwie dachte echt, dass es nicht ganz so schlimm werden würde. Hatte ich mich wohl getäuscht! Die Prüfung selber war dann eigentlich ganz o.k. Also, nein, eigentlich war sie super, der die Hauptsache ist ja, dass ich bestanden habe! Aber ich glaube, dass der Prüfer schon ein bis zwei Augen zugedrückt hat. Als ich mit meinem Fahrlehrer zum TÜV gefahren bin, weil ich alles ganz in Ordnung, doch sobald ich den Prüfer gesehen habe, ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Er sah nämlich ein bisschen meinem Vater ähnlich, und von meinem Vater habe ich ja bekanntlich den größten Respekt! Und dann habe ich gleich zu Beginn rechts vor links übersehen, es habe einen Lkw auf der Autobahn nicht überholt. Aber anscheinend war der Prüfer nicht so unfreundlich, wie er aussah, und hat nicht stehen lassen. Deswegen werde ich zur Feier des Tages heute mit Sonja etwas trinken gehen!
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25.02.2012 - Fast Frühling

Wahnsinn, dass jetzt schon wieder März ist, was auch bedeutet, dass sich in anderthalb Monaten Geburtstag habe! Ich werde zwar 19, was nichts Besonderes ist, aber trotzdem sollte ich mir langsam überlegen, was ich denn vor habe an meinem Geburtstag. Aber erst mal ist da diese Prüfung übermorgen dann noch die blöden Klausuren, von denen ich fast noch aufgeregter wird! Ich habe wirklich total Prüfungsangst, wenn es um solche Sachen in der Schule geht. Ich sitze dann schweißgebadet morgens im Bett, nachdem ich festgestellt habe, dass es mal wieder geträumt habe, wie ich die Klausur verhaue. Ich mache mich selber immer total verrückt! Das nervt mich, ich will das nicht mehr haben. Ich hab es auch schon ein paarmal geträumt, wie ich zum Beispiel eine alte Dame in meiner Führerscheinprüfung anfahren oder sowas. Das ist doch krank! Ich verbiete mir von nun an, jegliche Gedanken an diese Prüfung zu verschwenden. So.
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5.02.2012 - Nur noch anderthalb Wochen

Die Prüfung rückt immer näher, und so langsam bin ich wirklich total aufgeregt. Direkt nach dieser blöden Prüfung muss ich anfangen zu lernen, weil wir dann LK Klausur schreiben. Moment fühle ich mich wirklich ein bisschen gestresst, da kann noch nicht mal die liebe Landluft etwas helfen. Ich habe zwar nicht wirklich Angst vor der Prüfung, aber dieses Gefühl, das man immer vor solchen Prüfungen hat, finde ich total schlimm. Und je mehr Zeit vergeht, und je näher die Prüfung dann kommt, desto mehr Horrorszenarien hat man sich schon ausgemalt, was alles schief gehen könnte. Was natürlich totaler Schwachsinn ist, weil man ja eigentlich mit positiven Gedanken auf so ein Ereignis zu steuern soll. Aber ich kann nichts dagegen machen! Sonja, meine beste Freundin, sagt zwar, dass es totaler Quatsch ist, weil sie schon mehrmals mit mir gefahren ist in der Fahrstunde und meint, dass ich das total super könnte. Aber naja…
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31.01.2012 - Schwer, hier weg zu kommen

Früher hatte ich immer das Problem, dass ich hier nicht mehr gekommen bin. Womit ich direkt einmal an die kleinen Schattenseiten des Landlebens anknüpfte. Hier fährt ein Bus, aber immer nur bis 18 Uhr am Abend. Noch nicht mal am Wochenende fährt er durch. Also war ich immer darauf angewiesen, dass mich jemand nachhause brachte oder meine Mutter mich abholt. Mein Vater hätte das natürlich nie getan, ganz abgesehen davon, dass es sowieso immer am Arbeiten war spät abends. Und mit dem Fahrrad gefahren bin ich ganz viel, das ist aber auch mit dem Reiten und dem in der Scheune Herumtoben der einzige Sport, den ich mache. Natürlich konnte irgendwann Martin mich abholen, und von da an wurde es etwas leichter. Aber ganz bald werde ich auf nicht angewiesen sein, denn in drei Wochen habe ich meine Führerscheinprüfung!
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25.01.2012 - Landliebe

Ich gehe in die zwölfte Klasse des einzigen Gymnasiums, dass es hier in der Nähe von uns gibt. Wir wohnen nämlich so ziemlich auf dem Land. Ich will zwar hier ausziehen und in die Stadt ziehen, aber das hat absolut nichts damit zu tun, dass ich das Land nicht mag. Auch wenn viele meiner Freundinnen etwas anderes behaupten. Ich finde das Landleben super. Ich bin hier aufgewachsen mit Bauernhöfen, frischer Luft und ganz viel Natur, und ich kann mir etwas anderes für meine Kinder nicht vorstellen. Vorausgesetzt natürlich, dass ich jemals Kinder bekommen werde. Ich habe es geliebt, früher über die Felder zu toben, und mit den Ponys meines Nachbarn durch den Wald zu galoppieren. Kann es denn etwas Schöneres geben? Viele Kinder wollten doch immer so ein Leben wie Bibi und Tina, und ich hasse es. Natürlich hat das Landleben auch seine Schattenseiten, keine Frage. Aber das sind kleine, transparente Schatten.
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15.01.2012 - Ein Herz und eine Seele


Martin macht zur Zeit ein duales Studium, was bedeutet, dass er gleichzeitig zu studiert und eine Ausbildung zum Bankkaufmann macht. Ganz klassisch, wie mein Vater damals auch getan hat. Ich glaube, das ist aber auch das einzige, was Martin und mein Vater gemein haben. Manchmal sage ich etwas ziemlich peinliches zu meinen Freunden: Ich gebe dann nämlich zu, dass ich, wäre Martin nicht mein Bruder, total verliebt in ihn wäre! Ich glaube wirklich, dass er der perfekte Freund ist. Kreativ, höflich, witzig und sehr intelligent. Aber trotzdem unabhängig und nicht m. Tja, kein Wunder, dass ich ihn so gerne mag, und kein Wunder, dass meine Freundinnen ihn leider auch ziemlich gerne mögen. Mit einer meiner Freundinnen, mit der ich mittlerweile nichts mehr zu tun habe, habe ich mich einmal furchtbar gestritten, weil sie verliebt in ihn war und ich das aber nicht wollte. O.k., wir waren beide 14, und da war mein Bruder immerhin schon 18. Aber trotzdem war ich rasend vor Wut!
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10.01.2012 - Mein Bruder ist der beste

Noch lebe ich zuhause, aber mein großer Bruder Martin ist vor kurzem ausgezogen. Natürlich sind ein Herz und eine Seele, was man ja nicht oft von einem großen Bruder mit seiner kleinen Schwester behaupten kann. Aber wir hatten niemals ein Problem miteinander, haben uns immer alles erzählt und vor allen Dingen immer zusammengehalten. Ich glaube, dass das Bindeglied, das uns zusammen geschweißt hat, sogar die Allianz gegen mein Vater war. Hätten wir uns auch noch gestritten, dann hätten wir ja gar keine Chance mehr gegen diesen Patriarchen gehabt. Das haben wir Kinder schon sehr früh begriffen, und sogar meine Mutter haben wir bei fast allen Streits in unserem massiven Schutz genommen. Und Kindern wäre mein Vater nie handgreiflich gegenüber geworden, aber bei meiner Mutter war ich mir da manchmal nicht so sicher. Seit Martin ausgezogen ist, habe ich auch das dringende Bedürfnis, hier weg zu kommen. Ich weiß nur nicht, von welchem Geld!
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4.01.2012 - Zum Rest der Familie

Das war jetzt aber mal genug von meinem Vater. Komme ich zu meiner Mutter... Meine Mutter ist, abgesehen davon, dass sie einfach immer viel zu viel redet, die liebste Mama der Welt. Natürlich kann das manchmal nerven, wenn sie mir ständig irgendwelche Details erzählt, die überhaupt nicht wichtig sind für die ganze Geschichte, aber das ist auch glaube ich wirklich der einzige Fehler, den sie hat. Das Problem ist nur, dass mein Vater sie absolut nicht verdient hat. Und ich glaube, dass meine Mutter das nach langem Hadern dann auch einsehen musste. Aber da waren wir Kinder unterwegs, und sie konnte nicht mehr zurück. Sie liebt uns so sehr, dass sie ihr Leben sozusagen für uns aufgegeben hat, nur damit wir eine intakte Familie haben. Ich glaube manchmal, dass sie sich besser direkt wieder hätte scheiden lassen.
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27.12.2011 - Ein kleiner Wutausbruch

Heute kam mein Vater wutschnaubend nachhause. Die Unternehmensnachfolge erweist anscheinend größere Schwierigkeiten, als man gedacht hat. Diese ganze Sache mit der Unternehmensnachfolge ist sowieso ziemlich verzwickt, weil sich erst mal mehrere Monate lang ohnehin niemand gefunden hat, der eine würdige Unternehmensnachfolge sein könnte. Das Problem ist, dass mein Vater dort schon so lange Geschäftsführer ist, dass jeder, der es Unternehmensnachfolge in seine Fußstapfen treten würde, irgendein Akzeptanzproblem bekommen wird. Was ich eigentlich nicht verstehe, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass mein Vater so ein guter Chef sein soll. Aber für eine Führungsposition braucht man wohl diese ruppige, bestimmende Art. Die Unternehmensnachfolge, die sich jetzt doch noch gefunden hat, ist laut meinem Vater eine totale Vollniete. Dass man Vater das sagt, ist nicht verwunderlich, weil in seinen Augen eigentlich so ziemlich jeder Mitarbeiter eine Niete ist. Was er sich aber natürlich nicht besonders anmerken lässt, weil er sonst seine allgemein tolerierte Position verlieren könnte. Es ist, als wäre er dort ein anderer Mensch, und würde sich zuhause über all das aufregen, was er eigentlich mit seinen Mitarbeitern klären müsste! Auf jeden Fall prophezeit mein Vater jetzt schon, dass die Unternehmensnachfolge das Autohaus in den Ruin treiben wird. Tja, soll ich euch was sagen? Ist mir eigentlich total egal.
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20.12.2011 - Schreckliche Vorahnungen

Ich kann mir schon gut vorstellen, wie das nächste Jahr wird. Wahrscheinlich wird mein Vater sich trotzdem dauert noch in die Firma einmischen, weil er denkt, dass dort ja ohne ihn sowieso nichts läuft. Ich meine, damit mag er sogar Recht haben, aber damit hat er doch der nichts mehr am Hut, oder? Kann man ein Unternehmen so sehr lieben, dass man es sogar noch aufrechterhalten will, wenn man kein Geld mehr dafür bekommt? Also ich glaube, dass ich nie so ein Mensch werde, der so sehr in seiner Arbeit aufgeht.
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15.12.2011 - Die zwei Gesichter

Ihr müsst euch das so vorstellen: Meine Mutter hat damals mein Vater kennen gelernt, und es war Liebe auf den ersten Blick. Meine Mutter war vollkommen verliebt in einen höflichen, zuvor kommenden, freundlichen Mann. Mein Vater war ein richtiger Gentleman gewesen sein. Die beiden haben sich sehr schnell verlobt und noch schneller geheiratet. Und nach der Heirat ist alles anders geworden; dann hat mein Vater nämlich sein wahres Gesicht gezeigt. Ihr merkt schon, dass ich meinen Vater nicht wirklich leiden kann? Das liegt daran, dass er so ein richtiger Tyrann ist. Ich kann überhaupt nicht vorstellen, dass er es fertig gebracht hat, meiner Mutter vorzugaukeln, was toller Mann ist. Seit der Hochzeit das meine Mutter nicht mehr alleine entscheiden und er macht die vollkommen abhängig von sich. Ich finde das so furchtbar, und habe schon öfters mit dem Gedanken gespielt, ob ich nicht bald ausziehen soll.
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10.12.2011 - Eine schwere Zeit

Ich habe das Gefühl, dass eine schwere, schwere Zeit vor mir liegt. Vorbei die Zeit, in der man sich entspannt zurücklegen konnte, als man aus der Schule nachhause gekommen ist. Vorbei die Zeit, als man einfach nur die angenehmen monotonen Geräusche aus dem Fernseher hören konnte anstatt dem ewigen Gemeckere. Und vorbei die Zeit, in der mich niemand nach der Schule diese nervige Frage gestellt, wie es denn heute gewesen sei. Ja, ich glaube, es wird eine schwere Zeit. Mein Vater geht in einem halben Jahr in den Ruhestand, das ist heute entschieden worden. Er ist zwar erst 57, aber er betont dauernd, dass er sich seine Pensionen ja wohl verdient hat. Das mag ja auch sein, denn er war jahrelang Geschäftsführer in einem großen Autohaus. Naja, wenigstens erzählt er jetzt nicht mehr andauernd, wie stressig sein Tag heute gewesen sei, und wie inkompetent alle seine Mitarbeiter. Aber irgendwie kann ich mir gar nicht vorstellen, dass er weiß, was er mit sich anfangen soll, jetzt wo er bald nicht mehr arbeitet...
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